Sylvester auf Usedom

5. Januar 2014

Freitag, 27. Dezember 2013

Nach schönen Weihnachtsfeiertagen in Köln und Hamburg machen wir uns gen Osten auf nach Usedom, wo wir für ein paar Tage über Sylvester eine Ferienwohnung gemietet haben.

Die Autobahnen sind leer. Wir nehmen nicht den kürzesten Weg, sondern fallen auf nördlicher Route über Wolgast auf der Insel ein. Nach knapp drei Stunden Fahrt sind wir am Ziel: Dewicho – wunderschön am sogenannten „Achterwasser“ gelegen.
Und wirklich am Arsch der Welt. Hier gibt es nichts als Ruhe. Echt super.

Das Appartement in der schnuckeligen Anlage „Residenz am Gutshaus“ in Dewichow ist relativ neu, durchdacht und hochwertig gebaut und eingerichtet.
Alles, was man braucht, inklusive anständiger Küchenzeile mit Geschirrspülmaschine(!) und HD-Fernseher, ist vorhanden. Die 4 Sterne, die der Tourismusverband verliehen hat, sind absolut berechtigt.
Einzig, dass man auch übers Handy in unserer Wohnung kein Internet bekommt, ist alles perfekt.

Die Dame, die uns in Empfang nimmt, verrät uns, dass wir in der Stadt Usedom genug Möglichkeiten haben um uns mit Essen und Getränken einzudecken.
Wir finden Netto und ALDI und düsen, mittlerweile im Dunkeln, über die Insel nach Bansin. Da gibt’s, neben vielen kleinen Geschäften, auch einen Lidl…

Auf dem Rückweg noch schnell per HDSP auf einem Parkplatz ins Internet, E-Mails checken…
🙂


Sonnabend, 28. Dezember 2013

Ich wache schon früh auf. Der Blick aus dem Fenster aufs Achterwasser wirft mich: Traumhaftes Licht und weiter Himmel.
Nach dem Frühstück machen wir uns auf nach Bansin, um ein bisschen am Wasser entlang zu laufen.
Aber zuerst gehen wir ins Einkaufszentrum, wo ich auch mein heißgeliebtes „Rostocker“ Bier finde.
Auffallend ist, dass die Menschen hier unglaublich höflich und freundlich sind. Das Sozialverhalten, was die Menschen hier an der Küste an den Tag legen ist leider in anderen Regionen der Republik längst verloren gegangen…

Das Wetter ist immer noch super: Nicht zu kalt, windstill, bedeckt mit einem Himmel aus den unterschiedlichste Grautönen.

Wir laufen von Bansin aus zuerst am Wasser und dann auf der Promenade nach Heringsdorf. Wir stiefeln auf die lange Seebrücke, wo man in etliche Läden in einer kleinen Einkaufspassage schöne und gute (nicht ganz billige) Sachen kaufen kann.

Nach einem Milchkaffee an der Seebrücke gehen wir etwas landeinwärts von Heringsdorf nach Bansin zurück. Die Orte gehen ineinander über und ein altes Haus reiht sich ans nächste. ich knipse wie bekloppt und frage mich ernsthaft, wer die Bilder sehen will. Häuser, Häuser, Häuser…

Noch ein kleiner Abstecher nach Usedom zum Einkaufen und ins Internet gehen, dann fahren wir über klitzekleine Straße durch verschlafene Dörfchen (teilweise noch mit Kopfsteinpflaster-Straßen und DDR-Straßenlaternen) nach Dewichow zurück.


Sonntag, 29. Dezember 2013

Ursprünglich wollten wir ganz früh aufstehen. Aber nachdem der Regen so schön gegen die Scheiben prasselte, sind wir dann doch noch ein bisschen liegen geblieben…

Dann gibt es erst mal Frühstück mit allem Pipapo.

Frisch gestärkt dann rein in die Wanderstiefel und auf zu einem kleinen Spaziergang am Achterwasser entlang. Der Wanderweg startet direkt am Ortsausgang.
Der Regen hat aufgehört.
Landschaft so weit das Auge blickt.

Wir kommen durch das Graureiher-Brutgebiet und sehen tatsächlich einen.

Immer wieder begegnen einem alte Relikte aus DDR-Zeiten: Alte Strommasten und Straßenlaternen, Spielplatzgeräte und holprige Straßen.

Die Strecke ist länger, als wir gedacht haben, aber schließlich kommen wir am Golfhotel vorbei nach Balm. Wir latschen über den Golfplatz zur Landstraße, die zurück nach Dewichow führt.
Der Wind hat aufgefrischt, da zieh ich mir doch mal die Kapuze über die kalten Ohren.


Spaziergang am Achterwasser auf einer größeren Karte anzeigen

Nach zweieinhalb Stunden sind wir wieder zuhause und Maike macht lecker Bauernfrühstück.
Passt irgendwie…

Nachmittags kommt die Sonne wieder durch, wir setzen uns ins Auto und fahren ins nahegelegene Mellenthin, wo es ein Wasserschloss und eine der ältesten Kirchen der Insel gibt.
Im Schlossrestaurant lasse ich mir eine Waffel mit heißen Kirschen und Sahne schmecken.
Nach einem kurzen Abstecher in den Schloßpark besichtigen wir noch die Kirche aus dem 15. Jahrhundert.

Eigentlich wollen wir noch den Teufelsstein in Pudagla sehen, auch wenn es schon langsam dunkel wird. Wir parken vorm Schloss, das so gar nicht aussieht und gerade renoviert wird.
Den Findling finden wir allerdings nicht mehr…

Nachdem ich Maike zuhause abgesetzt habe, fahre ich noch schnell nach Bansin, ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Auf dem Rückweg habe ich immer das Handy im Auge, um zu sehen, wann ich guten HDSP-Empfang habe und zügig im Internet unterwegs sein kann.
In Benz finde ich 5 Balken und einen Parkplatz vorm Dorfkrug. Schnell E-Mails checken, ein E-Book bei Amazon bestellen und herunterladen…


Montag, 30. Dezember 2013

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Morgens ist begrüßt uns Usedom mit strahlend blauem Himmel.

Heute haben wir uns den „Lieper Winkel“, eine kleine Halbinsel im Achterwasser, für einen Morgenspaziergang ausgesucht.
Wir fahren nach Grüssow. Auf einem als Radwanderweg (viel Spaß) ausgewiesenen Pfad, laufen wir auf einem kleinen Deich an riesigen schilfbewachsenen Flächen vorbei. Und wir sehen tatsächlich einen Seeadler!
Leider nur wegfliegen – er hat uns zuerst gesehen.
🙂


UnbenanntLieper Winkel auf einer größeren Karte anzeigen

Nach heute nur 7 Kilometern Fußmarsch fahren wir wieder Richtung Dewichow, allerdings nicht, ohne der Kirche in Liepe einen Besuch abgestattet zu haben. Sie ist das älteste Gotteshaus auf der Insel und in ihrer Schlichtheit wirklich schön.
ittags düsen wir noch einmal Richtung Liepe, denn wir haben im Vorbeifahren eine Fischräucherei mit Restaurant in Rankwitz Hafen gesehen, vor dem ziemlich viele Auto parkten. Da muss es wohl gut schmecken.
Und tatsächlich: Die Herrschaften aus Berlin, die mit uns am Tisch sitzen, sind extra aus Heringsdorf hierher gekommen, um Fisch zu essen.
Putzigerweise haben sie kurz vor uns das gleiche bestellt, wie wir jetzt – Maike Zanderfilet gebraten und ich Matjesfilet mit Bratkartoffeln.
Und ich sage Euch, es ist sowas von lecker!

Wir fahren weiter zum Wisentgehege in Dargen. Dort hat man, mit polnischer Hilfe, angefangen, diese schon fast ausgestorbene Rasse von Ur-Rind wieder zu züchten.
Auf dem Nachhauseweg gucken wir noch beim Zweirad- und Technikmuseum vorbei, das aber leider schon geschlossen hat. Da gibt es alte Fahrzeuge aus Ostdeutschland zu sehen. Muss ich noch mal hin. Kein Problem, denn hier auf Usedom liegt ja alles recht nah beieinander.

In Dewichow fahre ich die Dorfstraße Richtung Norden bis zum Ende. Und siehe da: Direkt am Wendehammer 5 Balken auf dem Handy – super Internetgeschwindigkeit!

Der Tag endet mit einem Blick vom Balkon auf den wunderbaren Abendhimmel.


Dienstag, 31. Dezember 2013

Ich fahre nach Bansin. Unterwegs sehe ich glückliche Bio-Schweine. Wenn das kein gutes Zeichen fürs neue Jahr ist…

Neben dem obligatorischen Besuch im Einkaufszentrum und einem Besuch beim Friseur (Spitzenschneiden!) finde ich die Touristeninfo („Haus des Gastes“ genannt), wo ich kostenlosen WLAN-Zugang bekomme. Super, da muss ich irgendwann mal ein Stündchen hin.

Nach dem Mittagessen fahren wir noch mal los, um uns ein bisschen Wind um die Nase wehen zu lassen.
Wir gehen in Loddin-Kölpinsee am fast menschenleeren Strand in der, noch früh einsetzenden, Dämmerung spazieren, fahren nach Ückeritz, einen Kaffee trinken und noch schnell zur Tanke nach Bansin, zwei Piccolo „Rotkäppchen“ für Sylvester holen.
🙂

Gegen 11 Uhr machen wir uns auf nach Bansin, um Sylvester am Strand zu erleben.
Dort ist schon die Hölle los: Tausende Menschen am Strand und auf der Promenade, Riesiges Partyzelt und überall wird schon heftig geknallt. Glühweinstände ohne Ende.

Die Seebrücke ist gesperrt, wir gehen also ein Stückchen den Strand entlang. Um Mitternacht geht’s dann richtig los. Und nun wissen wir auch, warum wir nicht auf die Seebrücke können – da startet nämlich das „offizielle“ Feuerwerk. Einfach großartig, was da ab geht. Und auch die Leute am Strand verbrennen wieder Millionen. Was aber super aussieht. Man weiß nicht, in welche Richtung man gucken soll.


Mittwoch 1. Januar 2014

Wir fahren nach Karnin zur Eisenbahn-Hebebrücke, die im zweiten Weltkrieg gesprengt wurde, nur das eigentliche Hebewerk steht noch riesig im Peenestrom. Sehr beeindrucken. Und es gibt eine Initiative, das Ganze wieder in Betrieb zu nehmen.

Auf dem Rückweg gucken wir uns noch die alte Kirche in Usedom an.

Nach dem Mittag zuhause fahren wir in den Norden der Insel und statten dem Seebad Zinnowitz einen Besuch ab. Dort ist noch Wintermarkt und fix was los.
Aber wir bleiben nur kurz – Menschenmassen und Party-Hits muss ja nicht sein…

In Koserow, das nun überhaupt nichts vom Luxusflair wie Zinnowitz hat, wollen wir die Salzhütten besuchen, in denen früher das zollfreie Salz eingelagert wurde, damit die Fischer den Hering haltbar machen konnten.
Leider ist alles geschlossen.

Also marschieren wir weiter Richtung Osten und erklimmen den Streckelsberg, mit ganzen 58 Metern der zweithöchste Berg der Insel Usedom.


Donnerstag, 2. Januar 2014

Morgens regnet es leicht. Wir beschließen, mal einen „Ruhigen“ einzulegen und nach Bensin im „Haus des Gastes“ (Kurverwaltung) zu gehen, um das kostenfreie WLAN zu nutzen.
Auf dem Weg dorthin kommen wir an etlichen schönen alten Häusern (hatte ich schon erwähnt, dass es davon ganz viele hier an der Küste gibt? 🙂 ) vorbei.
Leider haben wir nur eine halbe Stunde Zeit, bis heute schon um 12 Uhr geschlossen wird. Und das Internet ist heute total langsam.
Also nur Mails abholen und dann ab nach hause.

Weil es noch relativ früh ist, wollen wir noch einen Abstecher nach Wolgast machen.
Über die südliche Route geht es aufs Festland, kurz vor Anklam über kleine Sträßchen (auch Sandpisten zeigt der Navi als Straße an!) nach Wolgast. Unterwegs sehen wir einen alten IFA Laster, der noch genutzt wird und top in Schuss ist.

In Wolgast kommen wir, nach kurzem Weg vom Parkplatz, zur St. Petri Kirche. Wir treffen auf einen sehr netten Mann vom Förderverein St. Petri Wolgast e.V., der uns, nachdem ich mich als Hamburger zu erkennen gegeben habe („Naja – das geht ja…“), sogar zu den restaurierten Särgen der Herzogfamilie Pommern-Wolgast in einem Nebenraum führt und uns viel über die Geschichte Usedoms erzählen kann.
Nachdem wir noch ein bisschen durch die historische Altstadt gebummelt sind, es wird schon langsam dunkel, gehen wir hinunter zum Museumshafen und entdecken den „Speicher“, ein Hotel und Restaurant.
Nach einem Blick auf die Karte, die draußen hängt (auch hier gibt es natürlich viele Fischgerichte), gehen wir hinein: Nicht nur von außen ein wunderbares altes Haus, auch innen sehr schönes Ambiente.
Und das Essen (wieder Matjes für mich und Zanderfilet für Maike – um mal einen Vergleich zu Rankwitz-Hafen zu haben – ein Gedicht. Der Ober supernett.



Freitag, 3. Januar 2014

Wir fahren nach Peenemünde. Zuerst zum Flughafen, weil ich gelesen habe, dass dort eine „Breguet Atlantic“, die ich noch aus meiner Marinefliegerzeit kenne, stehen soll.
Aber dort ist nichts mehr zu sehen. Ich treffe einen Mann, der zur gleichen Zeit, als ich beim Bund war, dort als Flugzeugmechaniker gedient hat. Wir fachsimpeln ein bisschen…

Weiter geht’s zur ehemaligen Heeresversuchsanstalt, von der allerdings nur noch das Heizwerk existiert. Alles sehr bedrückend, wenn man an die Zwangsarbeiter und die tausende Menschen denkt, die durch sie „V2“ umgekommen sind.
Ich gehe noch auf ein Raketenschnellboot der DDR-Volksmarine, das man besichtigen kann. Auf das U-Boot „U 461“ kann man wegen Bauarbeiten im Moment leider nicht.

Wir fahren zur Erholung nach Zinnowitz und essen zünftig Fischbrötchen bzw. Bratwurst. Milchkaffee im Strandkorb ist im Januar beim Italiener, der passenderweise „Primavera“ heißt, auch toll.

Ich setze Maike (die für heute genug Technik gesehen hat) in Dewichow „zuhause“ ab und fahre weiter ins Zweirad- und Technikmuseum nach Dargen im Süden der Insel.
Der Name täuscht: Hier findet sich nicht nur DDR-Technik, sondern, liebevoll arrangiert, alles, was es im Alltag im Osten so gab. Von der Kaffeemaschine bis zur kompletten NVA-Wache. Ostalgie satt.
Ich treffe ein Paar mit seinen Söhnen, das alles noch aus dem täglichen Leben vor dem Mauerfall kennt. Echt spannend.


Sonnabend, 4. Januar 2014

Eigentlich ist morgen Abreisetag.
Aber – wir haben so viel gesehen, ich darf am Montag wieder arbeiten, und so beschließen wir, heute schon zu fahren.
Nach einem Abstecher nach Heringsdorf und einem letzten Blick auf die Ostsee (und nachdem wir unser Leergut abgegeben haben), packen wir unsere Klamotten und düsen um die Mittagszeit gen Köln, wo wir ohne Stau oder andere Probleme spät abends ankommen.

Kategorie Unterwegs

Kommentare

  • 1. Kommentar von Dieter G. am 3. Januar 2014:

    Lieber Frank, liebe Maike,
    Dein geschriebenes Wort und die Bilder werden im Kopfkino zu einem 3D-Erlebnis als Film abgespult. Vielen Dank für diese reiselustig machenden Eindrücke. Geniesst weiterhin die Tage.
    Es umarmen Euch
    Dieter+Marianne, Mama + Papa

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